DFM-Sonderausstellung: 25 Jahre Mauerfall

„Gemeinsames Erbe – Getrennte Wege – Glückliche Wiedervereinigung“

Fulda – Zwischen ungläubigem Staunen und unermüdlicher Organisation – so beschrieben die Teilnehmenden des Gesprächscafés im Deutschen Feuerwehr-Museum (DFM) ihre Reaktion auf den Mauerfall vor 25 Jahren. Anlass für den Blick in die Vergangenheit war die Eröffnung der Sonderausstellung „Gemeinsames Erbe – Getrennte Wege – Glückliche Wiedervereinigung“ im Leitmuseum der deutschen Feuerwehren in Fulda. Der Präsidialrat des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) und weitere Ehrengäste verfolgten zunächst die Erinnerungen von beiden Seiten der deutsch-deutschen Grenze, ehe sie die Ausstellung besichtigten.

Museumsleiter Rolf Schamberger führte die Teilnehmenden in der Gesprächsrunde ein Vierteljahrhundert in die Vergangenheit und ließ die Emotionen der damaligen Ereignisse wieder wach werden.

„Wir können alle glücklich sein, dass ein Volk sich so aufgerafft hat!“, erinnerte sich DFV-Ehrenpräsident Hinrich Struve, der damals an der Spitze der westdeutschen Feuerwehrverbände stand. „Ich hatte mich bereits vor dem Mauerfall über den Weltfeuerwehrverband CTIF mit Generalmajor Herbert Pohl getroffen und war sogar im Herbst 1988 auf Einladung des Staatsrats der DDR bei einigen Feuerwehren zu Besuch. Diese persönlichen Kontakte haben dazu beigetragen, dass das Feuerwehrwesen in der DDR so schnell wieder aufgebaut wurde“, resümierte Struve. Pohl war als Leiter der Hauptabteilung Feuerwehr des Ministeriums des Innern der DDR für das zentralisierte Feuerwehrwesen zuständig. Diese Organisation wurde nach der Wiedervereinigung kommunalisiert; die Feuerwehrverbände auf Stadt-, Kreis- und Landesebene waren bereits bald nach dem Mauerfall neu gegründet worden.

Im „anderen“ Deutschland erlebte Siegfried Bossack, heute Leiter des Arbeitskreises Brandschutz- und Feuerwehrgeschichte des Deutschen Feuerwehrverbandes, den Mauerfall bei einer Tagung von Feuerwehrhistorikern. Er engagierte sich im ehrenamtlichen „Rat der Feuerwehren“, die nach dem Mauerfall dem DDR-Innenministerium Forderungen der Feuerwehren zur Neustrukturierung vorbrachten. „Die Neugründung von Verbänden war eine rasante Entwicklung, durch die der ,Rat der Feuerwehren‘ schon bald obsolet war“, erinnerte er sich. So wurde der Landesfeuerwehrverband Sachsen, dessen Vorsitzender Siegfried Bossack lange Jahre war, bereits eine Woche vor der offiziellen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gegründet.

Die deutschen Feuerwehren waren bereits dreieinhalb Monate vor der offiziellen Wiedervereinigung beim Deutschen Feuerwehrtag in Friedrichshafen vereint. DFV-Präsident Hans-Peter Kröger blickte auf die Organisation der Neugründungen zurück: „Landesverbände in Ost und West haben sich als Partnerländer organisiert. Hier wurden Strukturen empfohlen und Hilfestellung geleistet. Heute sind keine Unterschiede mehr zu spüren.“

Fulda befindet sich heute in der Mitte Deutschlands; früher verlief hier die NATO-Verteidigungslinie mit der „Fulda Gap“ (Fuldaer Lücke), in der die NATO für den Ernstfall die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts erwartete. Dr. Wolfgang Hamberger, Fuldaer Oberbürgermeister zur Zeit des Mauerfalls, bezeichnete den Mauerfall als „größtes Ereignis, das ich je erlebt habe: Mut und Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger der DDR haben die Mauer aus dem Osten gekippt.“ Nach dem Mauerfall wurde Fulda zum ersten Ziel für viele Besucherinnen und Besucher aus der DDR – als Vorbereitung auf den zu erwartenden Ansturm ließ Dr. Hamberger damals zuerst den städtischen Krisenstab mit Beteiligung der Feuerwehr zusammenrufen.

„Der Mauerfall war ein wunderbarer Moment, dessen Tragweite mir damals gar nicht bewusst war“, erinnerte sich Letizia Koffke, die als einzige Miss DDR und erste gesamtdeutsche Miss Germany den DDR-Alltag in vielen Facetten erlebte.

Spannende Anekdoten zu Exponaten aus Ost und West

Konzipiert wurde die Sonderausstellung als gemeinsames Projekt des Deutschen Feuerwehr-Museums Fulda und des Sächsischen Feuerwehrmuseums Zeithain. Hauptstück der Schau ist die Sammlung im Museumsdepot. Symbolisch durch einen Zaun getrennt, werden auf 800 Quadratmetern 20 Feuerwehrfahrzeuge aus Ost und West gegenübergestellt. „Einige der Oldtimer haben extra die knapp 400 Kilometer weite Anreise vom Sächsischen Feuerwehrmuseum in Zeithain auf sich genommen“, berichtete Museumsleiter Rolf Schamberger.

Die Ausstellung geht über das bloße Präsentieren von Technik hinaus: Spannende, humorvolle und ernste Anekdoten nehmen die Besucher mit und ordnen die Exponate zudem gesellschaftlich und politisch ein. So werden etwa „Löschwasser Ost“ und „Löschwasser West“ augenzwinkernd präsentiert, während der gegenüberliegende nachgebildete Grenzübergang den Ernst der Grenze darstellt. Aus einem Stück Mauer wird eine „Selfie-Wall“, an der sich die Gäste selbst fotografieren können – mit einem „Feuerwehr-Trabi“, der erst nach der Wende in den Einsatzdienst einer West-Feuerwehr eingebracht wurde.

Das Deutsche Feuerwehr-Museum ist täglich außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Die Sonderausstellung wird Ende 2016 gezeigt – auch als ein Höhepunkt beim Museumsfest des DFM am 18./19. Juli 2015, zu dem alle „Feuerwehr-Trabis“ nach Fulda eingeladen sind. Weitere Informationen zum Leitmuseum der deutschen Feuerwehren gibt es online unter www.dfm-fulda.de (Link zu externer Seite).