Ziel: „Engagieren, aber sich nicht selbst verlieren“

Flüchtlingsbetreuung Thema bei 3. Symposium der Stiftung „Hilfe für Helfer“

Berlin/Fulda – „Es kann belastend sein, wenn Menschen, die auf der Flucht waren, ihre Herzen öffnen und von ihren Erlebnissen berichten. Wir Feuerwehren wollen uns dabei engagieren, diese Menschen zu empfangen, aber wir dürfen uns dabei nicht selbst verlieren“, appellierte Hartmut Ziebs, Vorsitzender der Stiftung „Hilfe für Helfer“ des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), beim Stiftungssymposium in Fulda. Mehr als 50 Menschen aus ganz Deutschland interessierten sich für die Herausforderungen in der Flüchtlingsbetreuung, die den Schwerpunkt des 3. Symposiums „Hilfe für Helferinnen und Helfer in den Feuerwehren“ darstellten.

Dr. Jutta Helmerichs, Leiterin Psychosoziales Krisenmanagement im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und Mitorganisatorin der Veranstaltung, verwies vor diesem Hintergrund auf die zunehmende Bedeutung der Prävention. Prof. Dr. Peter Sefrin, wissenschaftlicher Leiter der parallel stattfindenden europäischen Leitmesse für Rettung und Mobilität, RETTmobil, lobte die aktuelle Themensetzung und erhoffte sich praxiserprobte Lösungsansätze für kommende Herausforderungen. Erneli Martens, DFV-Fachberaterin „Psychosoziale Unterstützung“, freute sich über den regelmäßigen Austausch innerhalb des fachlichen Forums. Das 4. Symposium der Stiftung „Hilfe für Helfer“ wird am 11. Mai 2017 und damit erneut zur RETTmobil in Fulda stattfinden.

„Die traumatischen Erlebnisse der geflüchteten Menschen sind für Feuerwehrangehörige außerhalb des normalen Einsatzspektrums. Trotzdem werden die Kräfte auch hier bei Belastungen durch ihr bestehendes Netzwerk aufgefangen“, erklärte Oliver Gengenbach, Feuerwehr-Seelsorger in Witten und Vorsitzender der Bundesvereinigung Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen. Er zeigte zudem anhand eines Leitfadens auf, wie der Umgang mit traumatisierten Menschen mit Flüchtlingshintergrund erleichtert werden kann.

Die Psychosoziale Notfallversorgung von und mit Muslimen beleuchtete Justus Münster, Beauftragter für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er stellte fest, dass muslimische Aspekte im System der Notfallseelsorge lange Zeit keine Rolle spielten. Mittlerweile ist die muslimische Telefonseelsorge in Berlin in der interkulturellen Notfallseelsorge selbstverständlich in die alltägliche Arbeit eingebunden. Im Publikum stieß der Erfahrungsbericht auf großes Interesse für die Arbeit vor Ort.

Berührend war der Vortrag von Joachim Wittchen, der seine persönlichen Erlebnisse im Kontext der Flüchtlingssituation schilderte. Der Beauftragte für Notfallseelsorge der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Feuerwehr-Seelsorger auf Kreisebene berichtete anhand von Fallbeispielen aus dem letzten Herbst, welche Ansatzpunkte für die Psychosoziale Notfallversorgung vor Ort entstanden.

Mit Konflikten in der Flüchtlingshilfe befasste sich Martin Jakubeit, Mitglied der Schulleitung der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, der das Thema Gewalt gegen Helferinnen und Helfer beleuchtete. „Deeskalationstraining spielt besonders in der Prävention eine wesentliche Rolle“, resümierte der ehemalige Polizeibeamte seine Erfahrungen aus der Praxis.

„Wenn die Hilfe zur Last wird“ – unter diesem Titel warf DFV-Fachberaterin und Hamburger Landesfeuerwehrpastorin Erneli Martens zum Abschluss des Symposiums die Frage nach den Grenzen der Helfer auf. Sie gab Tipps zum Erkennen, wann Helfer selbst Hilfe benötigen.