INTERSCHUTZ 2026 – Donnerstag

Deutscher Feuerwehrverband gründet Fachbereich Kommunikation

Ob im Einsatz, in der Nachwuchsgewinnung oder in der öffentlichen Wahrnehmung: Kommunikation ist für die Feuerwehren heute ein entscheidender Erfolgsfaktor – und damit auch von großer Bedeutung für die Feuerwehrverbände, in denen die mehr als 1,4 Millionen Feuerwehrangehörigen in Deutschland fachlich wie politisch vertreten sind. Mit seinem neuen Fachbereich Kommunikation stärkt der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) dieses Handlungsfeld nun strukturell und inhaltlich. Das Gremium wurde heute im Rahmen der Weltleitmesse INTERSCHUTZ in Hannover gegründet.

Zur Pressemitteilung über die Gründung des neuen Fachbereichs geht’s hier.

Netzwerkarbeit

In der Podiumsdiskussion zum Thema Landschaftsbrände als Querschnittsaufgabe für Kommunen, Feuerwehr und Forst- und Landwirtschaft, die am INTERSCHUTZ-Forum präsentiert wurde, betonte Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, die enge internationale Vernetzung und damit den Erkenntnisgewinn für Landschaftsbrände, welche auch in Deutschland vermehrt zunehmen.
Dabei ließ er hingegen auch erkennen, dass eine Stationierung von Löschflugzeugen aufgrund anderer Ausbreitungsdimensionen und Einsatzfrequenzen in der Bundesrepublik nicht sinnvoll erscheint. Er plädiert anstelle dessen: „Die Anforderungs- sowie Bereitstellungszeiten von beim Löschen der Brände unterstützenden Hubschraubern müssen deutlich effektiver und schneller, bürokratische Hürden abgebaut werden!“.
Ein gutes Beispiel für unkomplizierte Hilfe ist die Vernetzung mit Landwirten, Forst und Waldbesitzern, denn hierbei greifen bereits technische und organisatorische Maßnahmen zur Hilfestellung der Feuerwehren.

DFV-Präsident Karl-Heinz Banse war selbst schon vor Ort in der Ukraine, wo er die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die dortigen Feuerwehrangehörigen erlebte. Daher ist ihm der Austausch mit den Einsatzkräften ein persönliches Anliegen.

Die Warnung der Bevölkerung ist ein wichtiges Thema auf der INTERSCHUTZ. DFV-Vizepräsident Lars Oschmann tauschte sich auf dem DFV-Gemeinschaftsstand mit den Sirenenfreunden Südwestpfalz aus.

Die Kontakte des Deutschen Feuerwehrverbandes sind auch international sehr eng: Mittlerweile gibt es auch ein montenegrinisches Mitglied im Förderkreis. Durch diese Vermittlung informierte sich nun der dortige Leiter der Direktion für operative Angelegenheiten Direktion für Schutz und Rettung, Radomir Šćepanović, im Gespräch mit dem DFV-Präsidenten Karl-Heinz Banse über das deutsche Feuerwehrsystem.

Staatssekretär Andreas Bausewein aus dem Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung tauschte sich auf dem DFV-Gemeinschaftsstand mit DFV-Präsidiumsmitgliedern zu aktuellen Herausforderungen der Feuerwehren aus.

DFV-Vizepräsident Dr. Frank Kämmer und „FeuerwehrWilli“ André Willer tauschten sich auf der INTERSCHUTZ über aktuelle Ausbildungskonzepte und modulare Transportsysteme aus.

Präsentation der Empfehlung zu Ausbildungsinhalten der Vegetationsbrandbekämpfung, die unter Mitwirkung des DFV in der Unterarbeitsgruppe Ausbildung und Taktik der Bund-Länder-offenen AG (BLoAG) Nationaler Waldbrandschutz entstanden ist: Eines der ersten gedruckten Exemplare erhielt DFV-Vizepräsident Dr. Frank Kämmer, der im Präsidium für Einsatz und Taktik zuständig ist. Anschließend gab es den Austausch unter anderem mit den Mitwirkenden Alexander Held (EFI), Dr. Martin Schmid (@fire und Standkoordinator WildFireCamp 2026) und Dr. Ulrich Cimolino (Vorsitzender Unterarbeitsgruppe und AK DFV).

Fachvorträge auf der Plaza

Erfahrungen mit Lösch- und Löschunterstützungsrobotik unter Kriegsbedingungen

Christian Poschmann, GIZ-Experte, stellte die Ukrainische Feuerwehr vor. Die militarisierte Feuerwehr erhält seit Jahren internationale Hilfe für ihre Aufgaben, vor allem auch aus Deutschland: Material, Technik und auch Personal. Sie will sich auch im Kriegsgeschehen durch ihre Erfahrungen optimieren, etwa bei den Themen unbemannte Systeme und Industriebrand.

Oberst Ihor Hetalo, Leiter der Abteilung für unbemannte Systeme und Robotik des Katastrophenschutzdienstes der Ukraine, stellte sodann die Arbeit der Feuerwehr vor. Diese erfolgt aktuell oft in Ortschaften nahe der Front und auch sie wird von russischen Einheiten gezielt beschossen. Eine Extra-Abteilung wurde gegründet, um unbemannte Systeme einzusetzen für Feuerwehrleute, Taucher und Luftkräfte. Drohnen, Feuerlösch- und Tauchroboter helfen dabei, das Leben der Einsatzkräfte zu schützen. 83 Roboter werden aktuell eingesetzt, um Gebiete zu erkunden, Minen und Bomben zu entschärfen sowie zur Bergung. Hunderte Drohnen werden zum Beispiel für die Luftaufklärung von ökologischen Landschaften benutzt.
Streumunition greift nicht nur Militäranlagen oder zivile Gebäude an, sondern hat auch die Funktion der Selbstliquidierung, um Menschen zufällig zu treffen, wo sie landet. Diese soll nun flächendeckend durch Entschärfungsroboter entfernt werden. Um dieses Fachgebiet zu beherrschen, wurden Lehrstühle an zwei Landesschulen eingerichtet, damit die Studierenden entsprechende Schulungen erhalten können. Ein mobiles Schnellreaktionszentrum mit 160 Mitarbeitenden wurde ebenfalls aufgebaut.
DFV-Präsident Karl-Heinz Banse dankte für die Arbeit der ukrainischen Feuerwehren und hoffte darauf, dass die deutschen Kräfte von ihnen lernen.

Andrii Khyzhniak, General des Zivilschutzes, Leiter der Hauptverwaltung des ukrainischen Zivilschutzes in der Zentralukraine, sprach des Weiteren über die Erdölindustrie als kritische Infrastruktur, die seit 2022 regelmäßig angegriffen wird, bereits über 500 mal. Erdgas- und Erdöllagerbrände sind besonders gefährlich. Ballistische Raketen und Drohnenangriffe verursachen Verwundete und Getötete. Die ukrainische Feuerwehr stellt sich darauf technisch und organisatorisch ein. Viele Roboter, Water Tower und Wasserwerfer, wie sie in der Ukraine genutzt werden, waren zeitgleich auf der INTERSCHUTZ ausgestellt.

Der DFV-Arbeitskreis Feuerwehrmuseen

Über den Arbeitskreis des Feuerwehrmuseen des Deutschen Feuerwehrverbandes sprach Dr. Moritz Jungbluth, dessen Obmann. Er ist zudem stellvertretender Fachbereichsleiter Historik im Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz.
Aktuell sind im AK 61 Museen organisiert. Diese haben Umfänge von einem kleinen Raum bis hin zu mehreren großen Hallen. Sie werden kommunal und privat geleitet oder sind einer Feuerwehr angegliedert. Der AK besteht aus vier Regionalgruppen (Nord, Ost, Süd und Mitte), die noch weitere Museen aufnehmen können.
Die neue Museumsbroschüre des AK mit 80 Seiten wurde auf der INTERSCHUTZ verteilt. Dr. Jungbluth sprach über die Geschichte der deutschen Museen und speziell zur Entwicklung des Deutschen Feuerwehr-Museums in Fulda. Dieses wird aktuell mit der THW-Helfervereinigung erweitert und umgestaltet.
Jährliche Treffen sind für den AK FM wichtig. Für den 7. November 2026 ist die nächste Jahrestagung zur Restaurierung in Feuerwehrmuseen angekündigt. Am 13. März 2027 findet zudem in Fulda das nächste Symposium zu historischen Feuerwehrfahrzeugen statt.
Mehr zum Arbeitskreis unter https://www.feuerwehrverband.de/fachliches/fb/fb-bfg/.

Blitzlichter aus dem Dachverband der österreichischen Feuerwehren

Gemeinsam gaben der Generalsekretär des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes (ÖBFV), Oberbrandrat Raphael Koller, und der Leiter der Stabsstelle Kommunikation, Brandrat Andreas Rieger, Einblick in aktuelle Themen und Innovationen, die das österreichische Feuerwehrwesen beschäftigen.

Dabei wurde der Fokus auf die 2025 vom ÖBFV gegründete Österreichische Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie (ÖFKAD) sowie auf das nationale Fähigkeitsmanagement gelegt. Das Beschaffungswesen wurde ebenso thematisiert, wie das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM). Im Bereich der Kommunikation wurde die österreichweite Vernetzung der Kommunikationsverantwortlichen, ein rasches nationales Medien-Lagebild im Großschadensfall, als auch ein Muster-Krisenkommunikationsplan für österreichische Feuerwehrverbände sowie Aktivierungs- und Sensibilisierungskampagnen und das neue Kinder- und Jugendschutzkonzept der Feuerwehr Österreich angesprochen.

Mehr Informationen unter https://www.bundesfeuerwehrverband.at/ (Link zu externer Seite).

Drei Jahrzehnte Atemschutzunfaelle.eu: Von der Idee bis zur KI-Ära

Dr. Ulrich Cimolino berichtete davon, dass im Jahr 1993 Atemschutzunfälle mit Todesfolge der Auslöser dafür waren, die Unfalldatenbank zu gründen. Diese ging 1996 online. Die entstehende Statistik führte dazu, dass Unfallursachen erkannt wurden. Ein erster Erfolg war der Unfallbericht Köln 1996, der die technische Weiterentwicklung entscheidet beeinflusste: Vorschriften und Normen etwa für Atemschutzmasken müssen eingehalten werden. Die FUK und die AGBF begannen in den 2000ern die Zusammenarbeit.
Die Datenbank funktioniert über Meldebögen, die heruntergeladen und ausgefüllt werden. Die Internet-KI nutzt sie ebenfalls als Quelle, aber nur etwa 40 Prozent der bekannten Unfälle werden gemeldet. Selbstüberschätzung, Alkohol und mangelnde Ausbildung sind offenbar noch immer die menschlichen Ursachen. Abhilfe bieten Atemschutzüberwachung, Notsignalgeber, Selbstrettung aus Höhen, Sicherheitstrupps, Rehab-Zonen, klare Kommunikation und Struktur untereinander. Dr. Cimolino gab außerdem Tipps für die Optimierung der Ausrüstung.
Mehr Informationen dazu unter www.atemschutzunfaelle.eu (Link zu externer Seite).

„Brandschutz in Feuerwehrhäusern“: Eine Handlungsempfehlung des LFV SH

Jürgen Kock, Referent für Facharbeit beim Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein (LFV SH), sprach über das Thema „Brände in Feuerwehren“: Gebäude, Fahrzeuge und Material werden vernichtet, Millionenschäden entstehen. Zu dem hohen emotionalen Schaden für die Feuerwehrangehörigen kommt die Gefährdung der Bevölkerung und die Entprofessionalisierung der Feuerwehr durch monate- oder jahrelange Ausfälle.
In der Regel sind technische Schäden an Fahrzeugen die Ursache. Dazu kommen mangelnde Meldeanlagen und fehlende Unterteilungen im Gebäude. Dem kann man begegnen. Auch lässt sich vorausschauend die Brandbekämpfung und die Versicherung des Feuerwehrgebäudes planen.
Der LFV SH hat Broschüren zur Sensibilisierung und zum Brandschutz produziert, diese sind hier (Link zu externer Seite) online herunterladbar.

Eine Alternative zur „Feuerwehrrente“: Das Prämien- und Ehrenzeichengesetz im Land Brandenburg

Eine Feuerwehrrente, wie sie in vielen Bereichen inzwischen angeboten wird, weckt stets Erwartungen und führt zu Anwartschaften. Eine Alternative dazu stellte Vizepräsident Frank Kliem vom Landesfeuerwehrverband Brandenburg e. V. vor. In diesem Bundesland endet die Inanspruchnahme von Leistungen einfach durch einen Austritt aus der Feuerwehr, was eine nachgehende Administration spart. Das Prämien- und Ehrenzeichengesetz in Brandenburg sieht nämlich neben der Ehrung mit der Medaille für Treue Dienste in neun Stufen auch die Zahlung einer Jubiläumsprämie in Höhe von 500 Euro vor, die das Land leistet. Außerdem werden jährlich 200 Euro über die örtlichen Aufgabenträger ausgereicht, wenn die vorgeschriebenen 40 Pflichtstunden im Feuerwehrdienst oder den -verbänden absolviert sind. Diese zeitnahen Auszahlungsintervalle bieten auch eine zeitnahe Motivation als Anreiz und Entschädigung für den Dienst in der Einsatzabteilung zum Wohle der Allgemeinheit.

Unter https://lste.brandenburg.de/lste/de/service/praemien-und-ehrenzeichen/ (Link auf externe Seite) gibt es weitere Informationen.

 

Donnerstag, 4. Juni 2026

Interschutz 2026 Forum Landschaftsbrände Foto: Matthias Oestreicher/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Gründung Fachbereich Kommunikation Foto: DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Karl-Heinz Banse im Austausch Ihor Hetalo, Leiter der Abteilung für unbemannte Systeme und Robotik des Katastrophenschutzdienstes der Ukraine Foto: Rudolf Römer/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Plaza: Vortrag Ukraine Foto: Matthias Oestreicher/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Plaza: Vortrag AK Feuerwehrmuseen Foto: Conrad Wilitzki/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Plaza: Vortrag Österreich Foto: Conrad Wilitzki/DFV Bild herunterladen
Interschutz Plaza: Vortrag Atemschutzunfälle 1 Foto: Conrad Wilitzki/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Plaza: Vortrag Brandschutz in Feuerwehrhäusern Foto: Conrad Wilitzki/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Plaza: Vortrag Prämien- und Ehrenzeichengesetz Foto: Matthias Oestreicher/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 DFV-Vizepräsident Lars Oschmann mit Sirenenfreunden Südwestpfalz Foto: DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Besuch Danilo Šaranović, Innenminister Montenegro Foto: Matthias Oestreicher/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Staatssekretär Andreas Bausewein aus dem Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung Foto: Matthias Oestreicher/DFV Bild herunterladen
Interschutz 2026 Präsentation der Empfehlung zu Ausbildungsinhalten der Vegetationsbrandbekämpfung, die unter Mitwirkung des DFV in der Unterarbeitsgruppe Ausbildung und Taktik der Bund-Länder-offenen AG (BLoAG) Nationaler Waldbrandschutz entstanden ist, an Dr. Frank Kämmer Foto: Christopher Benkert @fire Bild herunterladen
Interschutz 2026 DFV-Vizepräsident Dr. Frank Kämmer und FeuerwehrWilli André Willer Foto: DFV Bild herunterladen