INTERSCHUTZ 2026 – Samstag
Feuerwehrfachverbände streben strategische Partnerschaft an
Die Fachverbände des deutschen Feuerwehrwesens wollen ihre Zusammenarbeit auf eine neue Ebene heben und streben eine deutlich ausgebaute strategische Partnerschaft an. Die Spitzen der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb), des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sowie des Verbandes der Werkfeuerwehren in Deutschland (WFVD) sind sich einig: Die Herausforderungen der Zukunft lassen sich nur durch eine enge Kooperation und abgestimmte Vorgehensweise bewältigen.
Zur gemeinsamen Pressemitteilung geht’s hier.
INTERSCHUTZ 2026: „Feuerwehrwelt rückt zusammen“
„Die INTERSCHUTZ 2026 hat eine große Dynamik in die Feuerwehrwelt gebracht – vor allem mit Blick in die Zukunft. Die Einsatzkräfte sind bereit, die Industrie stellt uns praxisgerechte Technik zur Verfügung. Die Feuerwehrwelt rückt zusammen und schaut mit Zuversicht auf die Herausforderungen: Das macht Mut angesichts der aktuellen Lage!“ – so lautet das Resümee von Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), zur heute beendeten INTERSCHUTZ 2026 in Hannover. Die Deutsche Messe AG hat rund 140.000 Messegäste vermeldet.
Hier gibt’s die Pressemitteilung über das Resümee der INTERSCHUTZ.
Netzwerkarbeit: #Präsidentunterwegs
Fachvorträge auf der Plaza
Der DFV-Arbeitskreis Digitalisierung Historischer Dokumente
Einer von vier Arbeitskreisen im Fachbereich Brandschutz- und Feuerwehrgeschichte des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) beschäftigt sich beim Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda mit dem Digitalisieren von historischen Feuerwehrdokumenten. Sowohl mit eigenen Scannern als auch in technischer Kooperation mit Dritten arbeitet dieser Arbeitskreis kontinuierlich den vorhandenen Bestand ab, so auch Klaus Wegener von der Feuerwehr Lemgo. Auf der Plaza berichtete er von diesem Engagement, das ihn als Ehrenamtlichen regelmäßig ins hessische Fulda führt. Bislang konnten er und seine Scan-Kollegen sowie mit temporärer Unterstützung von Bundesfreiwilligendienstleistenden bereits etwa 12.000 Buchbestände digitalisieren. Anschließend wird der Datenbestand katalogisiert und veröffentlicht. Ein Zugriff ist jederzeit über das Internet möglich, auch über die Verknüpfung mit namhaften Archiveinrichtungen in Deutschland. Stolz berichtete er über ein paar vorhandene „Schätze“, so etwa neben etlichen Zeitschriften, Chroniken und weiteren Büchern auch private Sammlungen. „Wir halten Unterlagen aus dem Feuerwehrwesen in Ostpreußen vor, unter anderem auch über Evakuierung und Flucht, teils handschriftliche Aufzeichnungen. Außerdem konnten wir das technische Zeichnungsarchiv der ehemaligen Aufbauherstellerfirma Metz übernehmen. Insgesamt umfasst der Umfang rund 60 Zeichnungsschränke, in denen Pläne lagern“, beschrieb der Referent. Weiterhin sind alle Feuerwehren aufgerufen, ihre Festschriften, von denen schon etwa 4.500 im Bestand sind, auch zukünftig analog oder digital dem Museum zur Verfügung zu stellen. Wertvolle Dokumente und Informationen werden durch das digitale Archiv dauerhaft erhalten und allgemein zugänglich gemacht.
Eine Übersicht der bisherigen Scans ist hier abrufbar.
Einsatz eskaliert – Kommunikation stockt: Wie Feuerwehren kommunikativ Herr der Lage werden
Mit den Herausforderungen der Einsatzkommunikation setzte sich Benedikt Wolter (Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz) in seinem Vortrag auseinander. Falschmeldungen, Schaulustige, Algorithmen, Echtzeit-Berichterstattung sowie Spekulationen durch ein Informationsvakuum sind dabei potenzielle Gefahren. Sich darauf vorzubereiten war der Inhalt dieses Vortrags. Schon bevor eine Krise ausbricht, gilt es Darksites und Textmuster vorzubereiten, die Entscheidungsträger erreichen zu können, Doppelbesetzungen zu vermeiden sowie Infrastruktur und Werkzeuge gesichert zu wissen. Ein umfangreiches Monitoring hilft dabei, Meldungen einordnen und priorisieren zu können, um handlungsfähig zu bleiben. „Eine operative Krise muss keine kommunikative Krise sein“, so Benedikt Wolter.
Rettungshunde & Ortungstechnik: Sondereinheit im Bevölkerungsschutz
Mit vierbeiniger Unterstützung sprachen Leiterin Henrike Bildesheim und Amrei Oellermann (Feuerwehr Ulm) über den DFV-Arbeitskreis „Rettungshunde und Ortungstechni“ (AK RHOT). Die Hündin Raya, die mit am Stand war, hatte es erst im letzten Jahr durch einen Rettungseinsatz in die Schlagzeilen geschafft. Auf der INTERSCHUTZ führte sie Übungen durch.
Schon ab dem 17. Jahrhundert wurden Hunde bei der Personensuche eingesetzt. Ab 1969 wurde die RHOT von Freiwilligen Feuerwehren aufgebaut. Zurzeit gibt es 46 Einheiten. Diese bestehen aus über 400 Menschen und fast 500 geprüften Hunden. Heutzutage spielen RHOT und technische Ausstattung (Drohnen, Wärmebildkamera, SearchCam) zusammen.
Die RHOT ist in Flächen-, Trümmer- und Vermisstensuche unterteilt. Weitere flexible Einsatzmöglichkeiten sind möglich. Ein Hund kann 30.000 Quadratmeter in 20 Minuten absuchen. Er ersetzt so 80 Menschen in der Suchkette. Er sucht allerdings hauptsächlich lebende Personen. Ein gutes Beispiel ist der Großeinsatz im Sommer 2025 in Biberach: Hunde halfen hier, die Zahl der Überlebenden eines entgleisten Zuges schnell zu verifizieren. Der Bergungszug kam erst am kommenden Tag an.
Mehr Informationen zum AK RHOT unter https://www.feuerwehrverband.de/fachliches/ak/ak-rhot/.
„KOMM KLAR SH. Gemeinsam sicher vorbereitet“
Mareike Dahms, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, sprach über die Bevölkerungsschutzkampagne „KOMM KLAR“. Im März 2026 wurde diese vom Land Schleswig-Holstein veröffentlicht.
Es geht um die 72-Stunden-Selbstvorsorge, um auf mögliche Krisen vorbereitet zu sein. Mit Aufklärung soll das Gros der Bevölkerung erreicht werden, um auf Strom-, Wasser- oder Kommunikationsausfälle, Cyberangriffe, Wetterkatastrophen und Großschäden reagieren zu können. Private Vorräte sollten bestenfalls auch aus Konserven, Medikamenten, Powerbanks, Batterien, Kurbellampen und -radios, Kochmöglichkeiten usw. bestehen. Das entlastet die Feuerwehren, damit diese sich auf lebenswichtige Einsätze konzentrieren können.
Die niedrigschwelligen Tipps werden über Werbetafeln, Social Media und Aktionstage bekannt gemacht. Mehr Informationen zur Kampagne unter
www.schleswig-holstein.de/DE/landesportal/kampagne/kommklarsh (Link zu externer Seite).
Red Farmer
Red Farmer? Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, erläuterte Mareike Dahms vom Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein. Es handelt sich um eine Initiative, die seit 2023 in Deutschland etabliert wird. Das nördlichste deutsche Bundesland bewirbt diese Plattform des gemeinnützigen Vereins mittlerweile intensiv, bietet sie doch im Einsatzfall bei Landschaftsbränden die Möglichkeit einer Unterstützung der Feuerwehren. Denn wer sich als landwirtschaftlicher Betrieb oder Lohnunternehmer in dem Datenportal kostenlos registriert, bietet damit wertvolle Hilfe an, indem er seine Gerätschaften zur Verfügung stellt. Dahms: „Gebraucht wird alles, von Eggen und Teleskopladern über Mulden bis hin zu Tankanhängern.“ Alle legen Wert darauf, dass es sich nicht um Konkurrenz handelt.
Im Einsatz fordern Einsatzleiter über die in den schleswig-holsteinischen Kreisfeuerwehrverbänden organisierten zentralen Stellen an, die Alarmierung kann über Telefon oder in einer späteren Ausbaustufe über eine App erfolgen. Bei ihrer Tätigkeit erhalten die Landwirte und Lohnunternehmer vollen Kostenersatz und sind unfallversichert. Feuerwehren sollten darauf achten, das hinzugezogene Hilfeleistungspotenzial nur außerhalb des Gefahrenbereichs einzusetzen und auf längere Anfahrtszeiten eingestellt zu sein.
Mehr Informationen: https://redfarmer.eu/ (Link auf externe Seite).